Leistungsverzeichnis: richtig lesen, prüfen und kalkulieren
Leistungsverzeichnis lesen und kalkulieren: Wie ein LV aufgebaut ist, wo Risiken in Vorbemerkungen und Mengen stecken und wie du es selbst sauber erstellst.
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Ein Leistungsverzeichnis beschreibt Position für Position, was gebaut werden soll, mit Menge und Einheit. Wer es nur bis zur Mengenspalte liest, kalkuliert an der Hälfte der Risiken vorbei.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Leistungsverzeichnis (LV) gliedert die Leistung in Positionen mit Text, Menge, Einheit und Feldern für deine Preise.
- Die Risiken stecken oft in den Vorbemerkungen und Nebenleistungen, nicht in den Positionen selbst.
- Prüf Mengen stichprobenartig gegen die Pläne – beim Einheitspreisvertrag rechnest du später nach Aufmaß ab.
- In Deutschland ist das LV oft nach VOB/A und im GAEB-Format aufgebaut, in Österreich nach standardisierten Leistungsbeschreibungen und ÖNORM A 2063.
Inhalt
Wie ein Leistungsverzeichnis aufgebaut ist
Ein LV beginnt mit Vorbemerkungen: allgemeine Bedingungen, Baustelleneinrichtung, Abrechnungsregeln, Vorgaben zu Material und Ausführung. Danach folgen die Positionen, gegliedert nach Gewerken oder Bauabschnitten.
Jede Position hat eine Ordnungszahl, einen Langtext, eine Menge und eine Einheit. Du trägst den Einheitspreis ein, die Software oder der Ausschreibende rechnet den Gesamtpreis. Die Summe aller Positionen ist deine Angebotssumme.
- Vorbemerkungen: Regeln, die für alle Positionen gelten
- Grundpositionen: die eigentliche Leistung
- Bedarfs- oder Eventualpositionen: nur auf Abruf
- Wahl- oder Alternativpositionen: statt einer Grundposition
- Zulagepositionen: Aufschläge auf eine Grundposition
Wo die Risiken stecken
Die meisten Fehler entstehen nicht beim Preis, sondern beim Lesen. In den Vorbemerkungen stehen oft Leistungen, die du in keiner Position wiederfindest: Schutzmaßnahmen, Reinigung, Entsorgung, Abstimmungen. Was dort steht, schuldest du, auch ohne eigene Position.
Achte auch auf Formulierungen wie „inklusive aller Nebenarbeiten“ oder „nach Wahl des Auftraggebers“. Sie verlagern Risiko zu dir. Was nicht klar ist, fragst du schriftlich vor der Abgabe nach.
- Leistungen in den Vorbemerkungen ohne eigene Position
- Unklare Mengen oder Einheiten
- Fabrikatsvorgaben mit „oder gleichwertig“
- Abrechnungsregeln, die von den Normen abweichen
- Fristen und Vertragsstrafen in den Vertragsbedingungen
Mengen prüfen und Spekulation erkennen
Beim Einheitspreisvertrag rechnest du am Ende nach tatsächlicher Menge ab. Trotzdem lohnt sich der Blick in die Pläne: Ist eine Menge auffällig zu klein oder zu groß, weißt du, wo es später Nachträge oder Kürzungen gibt.
Prüf nicht jede Position, sondern die zehn größten nach Gesamtpreis. Dort liegt der Großteil deines Risikos.
Deutschland und Österreich
In Deutschland verlangt die VOB/A bei öffentlichen Aufträgen eine eindeutige und erschöpfende Leistungsbeschreibung. Viele LVs nutzen Texte aus dem Standardleistungsbuch und werden im GAEB-Format ausgetauscht. Für die Abrechnung gelten die Regeln der VOB/C für dein Gewerk.
In Österreich gibt es standardisierte Leistungsbeschreibungen, etwa für den Hochbau, und die ÖNORM A 2063 regelt den Datenaustausch von Ausschreibungen und Angeboten. Die Abrechnungsregeln stehen in den Werkvertragsnormen deines Gewerks. Welche Fassung gilt, steht in den Vorbemerkungen.
Selbst ein LV erstellen
Auch ohne öffentliche Ausschreibung lohnt sich ein eigenes LV bei größeren Aufträgen. Dein Kunde vergleicht dann Positionen statt Pauschalen, und du rechnest Mehrmengen sauber ab. Schreib Positionen so, dass ein Fremder versteht, was enthalten ist.
- Gliederung nach Gewerk oder Bauteil
- Je Position: was, womit, wo, in welcher Qualität
- Einheit passend zur Abrechnung wählen: m², m, Stück, Stunde
- Mengen aus dem Plan ermitteln, Rechenweg festhalten
- Nebenleistungen und Ausschlüsse eindeutig nennen
Mit Bauleo kalkulieren
In Bauleo legst du Positionen im Editor an, mit deiner Preisliste, Vorlagen und über 9.300 Baupreisen als Startpunkt für die eigene Kalkulation. Mengen misst du im PDF-Plan mit dem Aufmaß und übernimmst sie in die Position. Preise von Lieferanten oder Subunternehmern holst du per Link ein, der Preisspiegel entsteht automatisch.
Ein fremdes LV liest Bauleo heute nicht automatisch ein, die Positionen trägst du im Editor ein. Mehr dazu unter Kalkulation & Angebote.
Häufige Fragen
Was ist ein Leistungsverzeichnis?
Eine Aufstellung aller Teilleistungen eines Bauvorhabens in Positionen, mit Text, Menge und Einheit. Bieter tragen ihre Einheitspreise ein, daraus ergibt sich die Angebotssumme.
Was ist der Unterschied zwischen Leistungsverzeichnis und Leistungsbeschreibung?
Die Leistungsbeschreibung ist der Oberbegriff. Sie kann als Leistungsverzeichnis mit Positionen oder als funktionale Beschreibung mit Leistungsprogramm aufgebaut sein.
Was mache ich bei Fehlern im LV?
Melde sie schriftlich vor der Abgabe, wenn du sie erkennst. Nutzt du einen offensichtlichen Fehler bewusst aus, kann das später gegen dich verwendet werden.
Darf ich Positionen im LV ändern?
In einer Ausschreibung in der Regel nicht, Änderungen am LV können zum Ausschluss führen. Alternativen bietest du nur an, wenn sie zugelassen sind, und dann getrennt.
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